Tag Metriken

In der Mathematik ist eine Metrik eigentlich etwas durchaus Vernünftiges und Nützliches. In den Händen von MacherInnen und Marktradikalen ist es eine Form entmündigender Zahlenmagie geworden. Der Gedanke dort ist, dass Menschen Zahlen selten widersprechen, selbst wenn offensichtlich ist, dass „Lesekompetenz 3429 plusminus 34“ nicht nur nichts bedeutet; es kann gar nichts bedeuten, weil „Lesen“, wenn da überhaupt irgendwo Zahlen eine Rolle spielen, zumindest viele Dimensionen hat. Das auf eine Zahl zu reduzieren, ist deutlich unsinniger als die Angabe, der Gipfel der Zugspitze sei bei 213.3.

Und dennoch werden überall Politiken und allerlei anderes durch Metriken rechtfertigt; von der Unsitte, auf Webservern die BenutzerInnen auf alle möglichen und unmöglichen Arten auszuspähen, um dann nutzlose und ohnehin ignorierte Metriken zu erzeugen, will ich hier gar nicht anfangen.

Unter diesem Tag, jedenfalls, ärgere ich mich über Beispiele für den ganzen Phänomenbereich.

  • Dialektik der Ökonomie

    Ich bin bekennender Skeptiker bezüglich allem, was sich Wirtschaftswissenschaft nennt (wobei ich die Verdienste einiger ihrer VertreterInnen um die angewandte Mathematik nicht leugnen will). Und ich wundere mich, warum das nicht viel mehr Menschen sind, sind doch die Vorhersagen, die aus dieser Ecke kommen, eigentlich immer im Einzelnen falsch …

  • Das BESTE Bildungssystem in Deutschland

    Transparent der INSM im Berliner Hauptbahnhof: Deutschland fährt besser.

    Berlin Hauptbahnhof, August 2021: Würden Sie von Leuten, die Menschen an öffentlichen Orten mit solcher Werbung belästigen, Bildungsstudien kaufen?

    In den DLF-Nachrichten vom 17.8. war in der 16:30-Ausgabe folgende Nachricht zu hören:

    Sachsen hat laut einer aktuellen Erhebung das beste Bildungssystem in Deutschland. Das ergab eine Vergleichsstudie des …
  • Und nochmal Postwachstum: Von Friedrichstadt zu Isnogud

    Als ich vor gut einem Monat Friedrichstadt als Modell für eine gemütliche und hübsche Postwachstumsgesellschaft gelobt habe, habe ich auf eine wirklich augenfällige Besonderheit des Ortes nicht hingewiesen: Vor fast allen Häusern wachsen auf kleinstem Raum sorgfältig gepflegte Blumen, zumeist Rosen. Hier drei keineswegs untypische Beispiele:

    Montage aus drei spektakulären Szenen mit Blumen vor Haustüren

    Nun glaube ich nicht …

  • Der Oliv-Index

    Filmszene: Revue-Bühne mit Tänzerinnen und Sänger in Uniform und Monokel

    Die Staudte-Verfilmung von Klaus Manns Untertan (DDR 1951) illustriert die militarisierte Gesellschaft durch eine Revuenummer, in der Frauen mit Pickelhauben zu uniformiertem Gesang von der „Elite der Nation“ halb tanzen, halb marschieren. Olivindex: 1. (Rechte bei… na ja, wer immer den DEFA-Kram halt gekauft hat.)

    Wer in den frühen 1990er …

  • Wes Brot ich ess…

    Ein schrumpeliger Apfel

    Würdest du diesen Apfel in einem Supermarkt kaufen? Geht nicht mehr. Ich habe ihn vorhin gegessen. Also: Das, was Wurm und Balkonlagerung davon übrig gelassen haben. Auf der anderen Seite dürfte das Ding einen Behandlungsindex um die Null gehabt haben – siehe unten.

    Neulich hat die Parteistiftung der Grünen, die Böll-Stiftung …

  • Ach, Bahn, Teil 2: Maustracking ist Quatsch

    Screenshot: Blockiertes Javascript auf bahn.de

    F12 in den üblichen Browsern führt auf verschiedene Sorten von „Web-Inspektoren“. In deren „Network“-Tabs könnt ihr die Flügel'sche Metrik bestimmen: Wie viele Dateien von wie vielen Hosts zieht so eine Seite? Die Bahn-Seite schneidet dabei nicht gut ab, nicht zuletzt aufgrund des nutzerInnenfeindlichen Javascripts, das der Screenshot zeigt.

    Wieder …

  • Optimierte Inzidenz

    Mortalitätspunkte und eine Fit-Gerade in einem Logplot

    Abbildung 3 aus dem Paper von Levine et al, auf das ich unten ein wenig eingehe: das Risiko, an SARS-2 zu sterben, geht ziemlich genau exponentiell mit dem Alter (die Ordinate ist logarithmisch aufgeteilt). Diese Beobachtung führt ziemlich direkt zu einem Kult-Paper aus den wilden Jahres des Internet. CC-BY doi …

  • Trifft die Menschen hart

    Viele Kurven mit Lebenserwartungen

    Die SARS-2-Pandemie ist historisch: relative Änderungen der Lebenserwartungen nach Jahren für Männer, soweit doi:10.1016/S2214-109X(21)00386-7 brauchbare Daten hatte. In Blau ist die Veränderung 2020 (also vor allem durch SARS-2) markiert. Es lohnt sich, die Abbildung detailliert in einem eigenen Browserfenster anzusehen: Von den demographischen Folgen des …

  • Der hundertste Post

    Vor 10 Monaten habe ich den ersten Artikel für dieses Blog geschrieben, und siehe da: Mit diesem sind es jetzt 100 Posts geworden.

    Das wäre ein guter Vorwand für ein paar Statistiken, aber da ich ja generell ein Feind von Metriken bin, die mensch ohne konkrete Fragestellung sammelt (das ist …

  • Wie aus dem 18. Jahrhundert

    Ich bin ja bekennender Leser von Fefes Blog, und ich gebe offen zu, dass ich dort schon das eine oder andere gelernt habe. Zu den für mich aufschlussreichsten Posts gehört dieser aus dem September 2015, der mir seitdem nicht mehr aus dem Sinn gegangen ist, und zwar wegen der Unterscheidung …

  • Vielleicht doch ein wertvolles Experiment

    Noch vor einem Jahr hatte sich kaum jemand vorstellen können, wie schnell die Staaten die Grenzen im März 2020 geschlossen haben – aber, das lässt sich hier leider wirklich nicht wegdiskutieren, im Prinzip können Bewegungseinschränkungen bei so einer Pandemie je nach Verteilung und Entwicklung schon mal nicht einfach nur atavistische Reflexe …

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Kriegsfieber aktuell

Bar-plot in
    		Tönen von Oliv
(Erklärung)